Loginlabel BENUTZER: PASSWORT:
Register
 Passwort vergessen?
Julabo
Hodorff HQL

Gourmet nach elBulli-Mahl vermisst

Kulinarische Weltumrundung gescheitert

Das letzte Mahl: ein Hut, einige Photos und ein goldenes, von Paul Bocuse gestiftetes Notizbuch sind die einzigen Hinweise eines kulinarischen Rätsels.

Diese Dinge wurden von einem Schweizer Motorradkurier zurück gelassen, als er nach der Hälfte seiner kulinarischen Weltumrundung spurlos verschwand. Der 46-jährige Pascal Henry begann diese Herausforderung im Mai dieses Jahres: alle 3*-Michelin-Häuser in 68 Tagen, 40.000 km durch neun Ländern.

Im Juni jedoch verschwand er ohne zu zahlen von seinem Tisch im elBulli, dem Restaurant des spanischen Avantgardisten Ferran Adrìa. Seit dem hat niemand mehr von ihm gehört, worauf spanische Detektive gestern erklärten, dass sie den Fall näher untersuchen würden. Alarmiert wurden diese von Schweizer Kollegen, nachdem Henry am 17. Juli nicht an seiner Arbeitsstelle in Genf erschien. Einige Tage zuvor hätte er von seinem großen kulinarischen Abenteuer zurückkehren sollen.

Die spanische Polizei berichtet, dass Pascal Henry bereits seine Desserts im elBulli – Station 40 seiner Reise – beendet hatte, als er mit einem Paar am Nebentisch ins Gespräch kam. Als er seine Visitenkarte überreichen wollte, habe er festgestellt, dass er diese im Auto vergessen hatte. Danach wurde er nicht mehr gesehen.  

In dem zurück gelassenen goldenen Notizbuch, welches Henry von Paul Bocuse – der ersten Station seiner Reise in Paris – geschenkt bekommen hatte, waren alle bisherigen Gerichte seiner Reise notiert. Bocuse hatte die des ersten Menus selber niedergeschrieben und alle weiteren 67 Küchenchefs in einem persönlichen Fax darum gebeten, Herrn Henry mit besonderer Aufmerksamkeit zu bedenken.

"Ich hatte mich entschieden, ihm zu helfen", sagte Bocuse. "Ich wollte, dass er überall mit derselben Herzlichkeit empfangen wird. Es ist nicht einfach, eine solche Reise alleine zu absolvieren, ohne mit jemandem den Enthusiasmus teilen zu können."

Das Mysterium um das Verschwinden des Gourmets wurde in der Schweiz nun richtig geschürt. Dort wird unter anderem vermutet, dass Herrn Henry schlichtweg das Geld ausgegangen sei, was seine Verwandten allerdings negierten. Vor dem Hintergrund, dass das Menu im elBulli 165€ (ohne Getränke) kostet, ist diese Vermutung wohl endgültig zu entkräften.

Die Familie des Vermissten erklärte inzwischen, dass er zwar ein geringes Einkommen hatte, er jedoch Monate mit der Planung und Jahre mit Sparen verbracht hatte, um seine Liebe zu großartigem Essen mit dieser Reise zu befriedigen.

Philippe Rochat, Küchenchef im Hôtel-de-Ville in Crissier in der Schweiz – der zweiten Station von Henry – bestätigte diese Leidenschaft. "Ich habe nur selten jemanden mit einem derartigen Wissen getroffen", so Rochat. "Er kam sogar zu einer fachlichen Diskussion in die Küche."

Die Gerüchte, die sich um das Verschwinden ranken, werden von Berichten angeheizt, dass Henry geschieden gewesen und ein sehr geheimnisvoller Mensch gewesen sein soll, der in früher Jugend bereits einmal für einige Monate verschwunden sei. Eine Theorie, dass Henry das steile Kliff am elBulli hinunter gestürzt sein könnte, dementierte Juli Soler, der Partner von Adrìa: "Die Terrasse war voll. Jemand hätte ihn gesehen oder gehört."  

Auch ein Raubmord ist unwahrscheinlich, da der Gourmet überall mit Kreditkarte bezahlte und nur wenig Bargeld mit sich führte. Darüber hinaus ist in der Gegend zwischen dem elBulli und Roses ähnliches noch nicht vorgekommen.

 

Quelle: http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/europe/article4446225.ece
(eigene Übersetzung).











Henry und Bocuse am ersten Tag der kulinarischen Weltumrundung, Quelle: Independent.co.uk

01.08.2008 20:01