Man nennt ihn auch das “Gold der Lofoten“, erhältlich ist er in Deutschland nur für kurze Zeit, von Ende Januar bis April: Skrei – der norwegische Winterkabeljau.
Als “Skrei“ werden die Tiere eines bestimmten norwegisch-arktischen Kabeljau-Bestandes bezeichnet. Sie sind im kalten, reinen Nordpolarmeer beheimatet und unternehmen im Laufe Ihres Lebens eine lange Reise – diese begründet auch ihren Namen: “Skrei“ ist Norwegisch und bedeutet so viel wie “der Wanderer“.
Im Erwachsenenalter legen die Tiere jährlich mehrere hundert Kilometer zurück, der Ausgangspunkt ist dabei das tiefe und nährstoffreiche Wasser der eisigen Barentssee. Zu den Lofoten, einer aus ungefähr 22.000 einzelnen Inseln bestehenden, wildromantischen Inselgruppe vor der Küste Norwegens wandern die Skrei-Schwärme, um dort zu laichen: Das Wasser hier ist durch den Golfstrom leicht erwärmt und bietet für die Entwicklung der Jungfische optimale Bedingungen.
Die Strömung treibt die Jungfische nach und nach in das arktische Eismeer der Barentssee, wo sie die ersten fünf bis sechs Jahre ihres Lebens verbringen. Dann sind sie stark genug, um in großen Schwärmen zu den Lofoten zurück zu ziehen und so den Lebenskreislauf des Skrei zu vollenden.
Die Geschichte der Lofoten und die Geschichte des Skrei sind untrennbar miteinander verknüpft: Als sich vor rund 6.000 Jahren die ersten Menschen auf den Lofoten niederließen, taten sie dies aufgrund des großen Fischreichtums. Anfangs fischten sie hauptsächlich für den eigenen Bedarf, erst im zehnten Jahrhundert nach Christus entdeckten die Wikinger Skrei, meist in getrockneter Form, als wertvolle Handelsware. Sie begründeten hiermit eine Fangtradition, die bis heute Bestand hat.
Nach wie vor hat nahezu jeder Einwohner der Lofoten etwas mit dem Skrei zu tun; Fischfang ist neben Tourismus der wichtigste Wirtschaftszweig der Inselgruppe und Skrei der bedeutendste Export-Artikel. Rund 45.000 Tonnen werden hier jährlich angelandet und verarbeitet.
Um den Bestand langfristig zu erhalten und damit die Zukunft des Skrei und der damit zusammenhängenden Wirtschaft auf den Lofoten zu sichern, hat die norwegische Fischereiaufsicht permanent ein Auge auf den Skrei-Fang. Bis zu zehn Aufsichtsboote werden täglich eingesetzt, um dafür zu sorgen, dass die geltenden Vorschriften beachtet werden und alle Fischer die gleichen Chancen auf einen guten Fang haben.
Weil Skrei für die Bewohner der Lofoten von elementarer Bedeutung ist, wird er vom Fang bis zum letzten Veredelungs-Schritt mit besonderem Respekt behandelt: Gefischt wird hauptsächlich mit Lang- und Handangelleinen oder kleineren Netzen. Dies garantiert, dass die wertvollen Tiere beim Fang nicht gedrückt werden. Das Wissen darum, wie Skrei nach dem Fang schnell und gründlich ausgenommen und gereinigt wird, um die Qualität jedes einzelnen Tieres zu erhalten, wird von Generation zu Generation weiter gegeben. Und sogar die Kinder haben Anteil an dieser arbeitsreichsten und gleichzeitig aufregendsten Zeit des Jahres: Traditionell verdienen sie sich nach der Schule ein Taschengeld, indem sie vorsichtig die Skrei-Zungen – eine besondere Delikatesse – heraus schneiden.
Mit einem großen Festessen wird in jedem Jahr die Ankunft des Skrei gefeiert. Die Einwohner der Lofoten geniessen dann in geselliger Runde das feste Fleisch und das charaktervolle Aroma des norwegischen Wanderers.
Doch nicht nur auf den Lofoten, auch in der Autostadt in Wolfsburg wird der Skrei geschätzt: Im Restaurant Aqua im Ritz-Carlton kombiniert Sven Elverfeld den norwegischen Winterkabeljau mit Mixed Pickles und bereitet Fisch-Liebhabern somit auch fernab der norwegischen Küste ein besonderes Skrei-Genusserlebnis.